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Strahlung

Was ist Strahlung?

Strahlung beschreibt die Ausbreitung von Teilchen und elektromagnetischen Wellen, deren gemeinsames Merkmal der Transport von Energie ist. Im Falle von Teilchen erfolgt der Energietransport durch die sogenannte Korpuskularstrahlung, im Falle von elektromagnetischen Wellen durch Wellenstrahlung.

Jegliche Strahlung hat

  • eine Ursache, d. h. eine Strahlenquelle, und
  • eine Richtung, die Strahlungsrichtung.
Beispiele für Strahlenquellen sind
  • radioaktive Stoffe (Gamma-Strahlung, Röntgen-Strahlung),
  • Mobilfunk (Mikrowellen-Strahlung) oder
  • Lampen (Licht)

Trifft Strahlung auf ein Material - egal, ob fest, flüssig oder gasförmig -, d. h. auf Materie die aus Atomen oder Molekülen aufgebaut ist, dann kann sie mit dieser in Wechselwirkung treten. Die Wechselwirkungen können beispielsweise in Form von

  • Absorption oder
  • Streuung

stattfinden. Bei der Absorption wird die Energie der Strahlung vom Material, in das die Strahlung eindringt, aufgenommen. Bei der Streuung wird die Richtung der Strahlung geändert und zusätzlich kann ein Teil ihrer Energie vom Material aufgenommen werden.

Unter Transmission versteht man den Durchgang der Strahlung durch Materie, bei der die Richtung der Strahlung nicht geändert wird. Es kann aber ein Teil der Strahlungsenergie auf dem Weg durch die Materie absorbiert und/oder gestreut werden, d. h. die Energie und/oder die „Menge“ an Strahlung nach dem Durchgang durch das Material könenn geringer sein als vor Eintritt in das Material.

Was ist ionisierende Strahlung?

Als ionisierende Strahlung wird jede Teilchen- oder elektromagnetische Strahlung bezeichnet, die durch Wechselwirkung mit Atomen oder Molekülen aus diesen Elektronen freisetzen oder chemische Bindungen aufbrechen kann, sodass positiv geladene Ionen oder Molekülreste zurückbleiben. Dieser Vorgang wird als Ionisation bezeichnet. Hierfür sind Energien von mehr als 5 eV (Elektronen-Volt) erforderlich. Für die im menschlichen Körper vorkommenden chemischen Elemente beträgt die minimale Ionisierungsenergie ca. 20 eV.

Man unterscheidet zwischen direkt ionisierender und indirekt ionisierender Strahlung. Im Falle direkt ionisierender Strahlung geben geladene Teilchen (z. B. Elektronen, Protonen, α-Teilchen, β-Teilchen) beim Durchgang durch Materie aufgrund ihrer elektrischen Ladung Anregungs- und Ionisationsenergie an die Atome oder Moleküle ab und können diese hierdurch ionisieren.

Ungeladene Strahlung, wie die elektromagnetische Strahlung oder ungeladene Teilchen, können die Atome oder Moleküle über die Erzeugung eines geladenen Sekundärteilchens ionisieren. Im Falle von Gamma- oder Röntgen-Strahlung (hierbei handelt es sich um elektromagnetische Strahlung) können dies Sekundä-relektronen sein, bei ungeladenen Teilchen, wie beispielsweise Neutronen, Rückstreuprotonen.

Beispiele für ionisierende Strahlen

Die nachfolgend aufgeführten Beispiele für ionisierende Strahlen haben alle unterschiedliche Ursachen (d. h. Strahlungsquellen), jedoch die gleiche Wirkung auf Materie.

  • Röntgen-Strahlung
  • Gamma-Strahlung
  • Kern-Strahlung (Radioaktivität)
  • Strahlung aus Beschleunigern
  • kosmische Strahlung
  • Neutronen

Die Energieeinheit Elektronenvolt

Energie ist eine physikalische Größe. Ihre praktische Bedeutung liegt oft darin, dass ein physikalisches System in dem Maß Wärme abgeben, Arbeit leisten oder Strahlung aussenden kann, in dem sich seine Energie verringert. Die Energie wird hierbei in Joule (J) angegeben.

Im Zusammenhang mit ionisierender Strahlung erfolgt die Energieangabe unter Verwendung einer speziellen Einheit, dem Elektronenvolt (eV).

Der Zusammenhang zwischen den Einheiten Joule und dem Elektronenvolt ist durch die Beziehung

1 eV = 1,6·1019 J

gegeben. Ein Elektronenvolt beschreibt folglich sehr kleine Energien im Vergleich zu einem Joule.

Zur Vertiefung:
Ein Joule ist die Energie, die benötigt wird, um beispielsweise einen Körper mit einer Masse von ca. 102 Gramm um einen Meter anzuheben (Anmerkung: hierfür wird eine Kraft von einem Newton benötigt).

Die Größe 1 eV lässt sich auch anschaulich beschreiben: Sie ist die Energie der Bewegung (Bewegungsenergie), die ein Elektron erhält, wenn es im Vakuum eine Spannungsdifferenz von U = 1 eV durchlaufen hat.

Schematische Darstellung der Bedeutung eines Elektronenvolt (eV) als die Energie, die ein Elektron erhält, wenn es im Vakuum eine Spannungsdifferenz von einem Volt (V) durchlaufen hat.

Wie wir gleich sehen werden, decken die verschiedenen Strahlungen einen sehr großen Energiebereich ab. Da man bei der Angabe von Energiewerten Zahlen mit zu vielen Stellen vermeiden will, hat sich die Verwendung von sogenannten Vorsätzen für Maßeinheiten als extrem praktisch erwiesen. Hierbei wird ein Buchstabe (der sog. Präfix) der Einheit eV vorangestellt. In unserem täglichen Umfeld verwenden wir diese Präfixe bereits wie selbstverständlich, beispielsweise für die Angabe von Massen. So sagen wir anstelle von 1000 g meistens 1 kg. Hierbei wurde das Präfix k vor die Bezeichnung für die Einheit Gramm (g) geschrieben. k bedeutet, dass der angegebene Wert in der Basiseinheit (hier g) tausend Mal größer ist als der Zahlenwert.

Da die verschiedenen Strahlungen einen sehr großen Energiebereich abdecken können und man bei der Angabe von Energiewerten Zahlen mit zu vielen Stellen vermeiden will, hat sich die Verwendung von sogenannten Vorsätzen für Maßeinheiten als extrem praktisch erwiesen. Hierbei wird ein Buchstabe (der sog. Präfix) der Einheit eV vorangestellt. Aus der praktischen Erfahrung ist dies beispielsweise bei der Angabe von Massen bekannt. 1000 g können kürzer als 1 kg geschrieben werden.

Einige der im Zusammenhang mit Strahlung am häufigsten verwendete Vorsätze sind nachfolgend aufgeführt:

PräfixNameWert (Zahl)Wert (Zahl)Wert (Wort)
µ
Mikro
0,000001
\(10^{-6}\)
Millionstel
m
Milli
0,001
\(10^{-3}\)
Tausendstel
k
Kilo
1000
\(10^{3}\)
Tausend
M
Mega
1000000
\(10^{6}\)
Million
G
Giga
1000000000
\(10^{9}\)
Milliarde
T
Terra
1000000000000
\(10^{12}\)
Billion
P
Peta
1000000000000000
\(10^{15}\)
Billiarde
E
Exa
1000000000000000000
\(10^{18}\)
Trillion

Beispiele für Energiebereiche der verschiedenen Strahlungsarten

Mit dem Wissen der Bedeutung der Präfixe lassen sich die in nachfolgender Auflistung angeführten typischen Energiebereiche für die verschiedenen Strahlungsarten besser verstehen.

StrahlungsartEnergiebereich
Röntgen-Strahlung
~10 keV bis 300 keV
Gamma-Strahlung
~100 keV bis 3 MeV
Alpha-Strahlung
~3 MeV bis 10 MeV
medizinische Beschleuniger
bis zu 25 meV
kosmische Strahlung
bis zu \(10^{14}~MeV = 100~TeV\)

Ionisierende Strahlung und andere Strahlenarten

Eine graphische Darstellung der verschiedenen Bereiche des elektromagnetischen Spektrums zeigt nachfolgende Abbildung. Die typischen Eingruppierungen der verschiedenen Strahlungsbereiche mit ihren zugehörigen Bezeichnungen sind dort entsprechend ihrer Wellenlänge und Frequenz dargestellt. Die roten Werte sind die korrespondierenden Energiewerte.

Übersicht über die verschiedenen Bereiche des elektromagentischen Spektrums (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetisches_Spektrum). Ergänzend wurden verschiedene Energiewerte (in rot) eingetragen.

Anmerkung:
Die „Größe“ einer elektromagnetischen Strahlung kann als Energie (Einheit eV), Wellenlänge (Einheit m) oder Frequenz (Einheit Hz) angegeben werden, da diese Größen über Formeln direkt miteinander in Beziehung stehen, d. h. ein in eV angegebener Wert kann in den entsprechenden Wert in m oder in Hz umgerechnet werden. Ein entsprechender online-Rechner findet sich beispielsweise unter https://rechneronline.de/spektrum/.

Hier eine kleine Übersicht der zusammengehörigen Energie, Wellenlängen und Frequenzwerte, die mit dem online-Rechner bestimmt wurden:

EnergieFrequenzWellenlänge
1 eV
241,8 THz
1,2 µm
20 eV
4,8 PHz
62 nm
1 keV
241,8 PHz
1,2 nm
1 MeV
241,8 EHz
1,2 pm
Aus der Abbildung kann man auch entnehmen, dass sichtbares Licht, Infrarot-, Terraherz-, Mikrowellen- und Rundfunk-Strahlung sowie Wechselströme nicht zu einer Ionisation im menschlichen Körper führen können, da ihre Energien zu niedrig sind (diese liegen unter einem Elektronenvolt).

Wichtige Arten ionisierender Strahlung

Im praktischen Strahlenschutz müssen wir im Wesentlichen vier Strahlungsarten berücksichtigen.

  • die elektrisch geladenen Alpha- und Beta-Teilchen sowie
  • die elektrisch neutralen Photonen und Neutronen.

Ihre wichtigsten Eigenschaften sind nachfolgend kurz zusammengefasst.

Alpha-Teilchen (\(\alpha\)-Teilchen)

Es besteht aus 2 Protonen und 2 Neutronen und hat keine Elektronen. Damit ist es zweifach positiv geladen.

Beta-Teilchen (\(\beta\)-Teilchen)

Beta-Teilchen können in zwei Versionen vorkommen. Zum einen als Elektronen, die eine negative Elementarladung besitzen, zum anderen als Positronen, die eine positive Elementarladung besitzen.

Elektronen und Positronen sind fast identisch. Sie unterscheiden sich nur hinsichtlich ihrer Ladung, die für Elektronen negativ, für Positronen positiv ist. Das Positron wird auch als Antiteilchen des Elektrons bezeichnet. Treffen ein Elektron und ein Positron aufeinander, dann vernichten sie sich (die sogenannte Annihilation) und wandeln ihre Masse vollständig in Strahlung um.

Photonen

Photonen könne in Form von Röntgen- oder Gamma-Strahlung auftreten. Röntgenstrahlung hat ihren Ursprung in der Elektronenhülle eines Nuklids, Gamma-Strahlung im Atomkern.

Bei Photonen handelt es sich um elektromagnetische Strahlung, die keine Ladung hat und auch keine (Ruhe-)Masse.

Neutronen

Neutronen sind Bestandteile des Kerns und können beispielsweise bei der Kernspaltung freigesetzt werden. Ein Neutron ist etwa 1839-mal schwerer als ein Elektron und hat keine elektrische Ladung.

Reichweiten ionisierender Strahlung

Aus Sicht des aktiven Strahlenschutzes ist es wichtig die Reichweiten der verschiedenen Strahlungsarten in Luft zu kennen. Damit kann bereits eine erste Abschätzung getroffen werden, ob Strahlenschutzmaßnahmen überhaupt erforderlich sind und wenn ja, welche. Wäre beispielsweise die Reichweite der Strahlung aus einer Strahlenquelle nur wenige Millimeter, die kleinste Entfernung, die eine Person zu dieser Strahlenquelle unter allen denkbaren Umständen einnehmen kann, aber im Bereich von Metern, dann könnte auf Strahlenschutzmaßnahmen verzichtet werden.

Betrachten wir nun die vier zuvor behandelten Strahlungsarten hinsichtlich ihrer typischen Reichweiten. Zu berücksichtigen ist, dass diese von der Energie der Strahlung abhängt. Je höher die Energie, desto weitreichender ist die Strahlung.

StrahlungReichweite LuftReichweite Gewebe
Alpha Strahlung

wenige Zentimeter

einige Mikrometer

Beta-Strahlung

maximal wenige Meter
wenige Millimeter

Photonen

viele Meter
viele Meter

Neutronen

nahezu unbeschränkt
(viele Meter)
zum Teil sehr große Reichweite
(abhängig von der Neutronenenergie)

Strahlungsenergie und Strahlungsintensität

Zwei weitere relevante Größen im praktischen Strahlenschutz sind die Begriffe der Strahlungsenergie und der Strahlungsintensität.

Unter dem Begriff Strahlungsenergie versteht man die Energie, die die Strahlung, d. h. ein Teilchen, ein Photon oder ein Neutron, besitzt. Die Art und Stärke der Wechselwirkung der Strahlung mit Materie wird unter anderem von der Größe der Energie bestimmt.

Strahlungsenergien, die zum Beispiel beim radioaktiven Zerfall auftreten, sind die charakteristischen Energien der emittierten Gamma-Strahlung oder Teilchen. Einige Beispiele hierfür sind nachfolgend aufgeführt:

Gamma-Strahlung

IsotopNameEnergie
\(^{241}Am\)
Americium-241
\(59,5~keV\)
\(^{137}Cs\)
Cäsium-137
\(661,7~keV\)
\(^{60}Co\)
Cobalt-60
\(1173,2~keV\)
\(^{60}Co\)
Cobalt-60
\(1332,5~keV\)

Beachte: radioaktive Isotope können Gamma-Strahlung mit verschiedenen charakteristischen Strahlungsenergien aussenden (siehe \(^{60}Co\)).

Alpha-Strahlung

IsotopNameEnergie
\(^{226}Ra\)
Radium-226
\(4,78~MeV\)
\(^{232}Th\)
Thorium-232
\(4,01~MeV\)
\(^{228}Th\)
Thorium-228
\(5,42~MeV\)
\(^{235}U\)
Uran-235
\(4,392~MeV\)

Doch nicht nur die Strahlungsenergie spielt eine Rolle, sondern auch deren „Menge“. Diese wird durch den Begriff der Strahlungsintensität festgelegt.

Die Strahlungsintensität bezeichnet die Anzahl an Teilchen, Photonen oder Neutronen, die eine bestimmte Fläche innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls durchdringen. Für eine bessere Vergleichbarkeit verschiedener Werte bezieht man die Fläche auf eine Einheitsfläche, oftmals 1 cm2 oder 1 m2. Das Zeitintervall wird oftmals auf 1 s bezogen. Hieraus ergibt sich für die Einheit der Strahlungsintensität cm-2·s-1 oder m-2·s-1. Aus dieser Einheit leitet sich auch die alternative Bezeichnung Teilchenflussdichte ab.

Berücksichtigt man in der Strahlungsintensität auch die pro Flächen- und Zeitinhalt transportierte Energie, so spricht man von Energieflussdichte. Die Einheit ist dann eV·cm-2·s-1 oder eV·m-2·s-1, d. h. Energie pro Fläche und pro Zeiteinheit.

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Dr. Thomas Bücherl
Technische Universität München
Radiochemie München RCM
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