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Kalibrierung

Einleitung

Das Ergebnis einer Gamma-Spektrometrie-Messung ist zunächst ein Histogramm, eine Liste von Impulswerten für aufeinanderfolgende Bereiche des Histogramms. Jeder dieser Bereiche wird durch eine Kanalnummer beschrieben.

Typische Häufigkeitsverteilung eines Gamma-Spektrums. Es zeigt die Häufigkeitsverteilung der gemessenen Impulse in Abhängigkeit von der Kanalnummer. Das Spektrum wurde mit einem HPGe-Detektor für 8192 Kanäle gemessen.

Typische Häufigkeitsverteilung eines Gamma-Spektrums. Es zeigt die Häufigkeitsverteilung der gemessenen Impulse in Abhängigkeit von der Kanalnummer. Das Spektrum wurde mit einem HPGe-Detektor für 8192 Kanäle gemessen.

Durch Kalibration des Messsystems wird erreicht, dass

  • das Gamma-Spektrum in Abhängigkeit von der Energie der Gamma-Strahlung anstelle der Kanalnummer und
  • die „Menge“ eines Radionuklids anstelle einer Anzahl an Impulsen durch seine Aktivität

interpretiert werden kann.

Speziell für automatische Auswerteroutinen ist außerdem die Kenntnis der Energie- bzw. Kanalabhängigkeit der Breite der Peaks eine sehr nützliche Eigenschaft.

Diese Informationen werden durch Kalibrationen ermittelt. Im Einzelnen sind dies

  • Energiekalibration,
  • Peakbreitenkalibration und
  • Effizienzkalibration.

In der Praxis basieren gute Kalibrationen immer auf hochwertigen gemessenen Gamma-Spektren und Nukliddaten.

Anmerkung:
Wir wollen in diesem Zusammenhang auf GIGO hinweisen: GIGO ist das Akronym für Garbage In – Garbage Out, welches auf das fundamentale Prinzip der Gamma-Spektrometrie hinweist, dass die Genauigkeit der Quantifizierung von Radionukliden vollständig von der Qualität der Messdaten, der Kalibration und der Probenpräparation abhängt.

In hochwertigen gemessenen Gamma-Spektren sollen die Peaks der Nuklide, die für die Kalibration verwendet werden, mit einer sehr hohen Genauigkeit identifizier- und auswertbar sein. Dies bedeutet, dass die zugehörigen Messunsicherheiten möglichst gering (im besten Fall vernachlässigbar) sind und die einzelnen Peaks nicht von anderen Linien überlagert (gestört) werden.

Messunsicherheit bei der Bestimmung der Peakflächen für ein HPGe-Spektrum von 60Co. Links: Messung mit sehr kurzer Messzeit; der Peak bei 1332 keV weist extreme Schwankungen in den einzelnen Kanalwerten auf (kleines Bild); ein Fit einer Gauß-Funktion zur Bestimmung der Peakflächen wäre mit großen Unsicherheiten verbunden. Rechts: Messung mit langer Messzeit; der Peak bei 1332 keV zeigt eine nahezu perfekte Gauß-Verteilung, d. h. die Unsicherheit bei der Peakflächenbestimmung wären sehr klein.

Messunsicherheit bei der Bestimmung der Peakflächen für ein HPGe-Spektrum von 60Co. Links: Messung mit sehr kurzer Messzeit; der Peak bei 1332 keV weist extreme Schwankungen in den einzelnen Kanalwerten auf (kleines Bild); ein Fit einer Gauß-Funktion zur Bestimmung der Peakflächen wäre mit großen Unsicherheiten verbunden. Rechts: Messung mit langer Messzeit; der Peak bei 1332 keV zeigt eine nahezu perfekte Gauß-Verteilung, d. h. die Unsicherheit bei der Peakflächenbestimmung wäre sehr klein.

Auf diese Thematik werden wir im Abschnitt Peakauswertung noch genauer eingehen.

Ein weiterer zu berücksichtigender Einflussfaktor auf die Qualität der Kalibrationen sind die verwendeten Nukliddaten.

Wie wir sehen werden, finden bei der Bestimmung der verschiedenen Kalibrationsfaktoren Daten zu den spezifischen Kernzuständen der verwendeten Kalibrationsnuklide Anwendung. Beispiele solcher Daten sind Halbwertszeiten, Gamma- und Röntgen-Energien der charakteristischen Linien, Übergangswahrscheinlichkeiten etc.

Termschema für den radioaktiven Zerfall von 60Co in das Tochternuklid 60Ni. Es enthält Angaben zur Halbwertszeit (5,2714 a), Art und Häufigkeit des Übergangs (β1 mit 99,925 %, β2 mit 2E-4 %, β3 mit 0,12 %) sowie die zugehörigen Termniveaus, aus denen sich die Energien der charakteristischen Linien bestimmen lassen (die rot eingezeichneten Pfeile markieren die Hauptübergangslinien bei 1173,2 keV und 1332,492 keV).

Termschema für den radioaktiven Zerfall von 60Co in das Tochternuklid 60Ni. Es enthält Angaben zur Halbwertszeit (5,2714 a), Art und Häufigkeit des Übergangs (β1 mit 99,925 %, β2 mit 2E-4 %, β3 mit 0,12 %) sowie die zugehörigen Termniveaus, aus denen sich die Energien der charakteristischen Linien bestimmen lassen (die rot eingezeichneten Pfeile markieren die Hauptübergangslinien bei 1173,2 keV und 1332,492 keV).

Diese Daten sind in (kommerziellen) Gamma-Spekrometrieprogrammen meistens schon als Nuklidbibliotheken eingebunden. Weitere Quellen für die Nukliddaten sind öffentlich zugängliche Datenbanken, die beispielsweise von Bundesbehörden (z. B. National Institute of Standards and Technology (NIST)) und internationalen Organisationen (z. B. Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA)) online und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Sie sind aber auch über kommerzielle Anbieter (z. B. Nucleonica GmbH, Institute for Spectrometry and Radiation Protection (ISUS)) erhältlich.

Hier stellt sich dem Anwender sofort die Frage, warum er nicht ausschließlich die bereits in den Gamma-Spektrometrieprogrammen enthaltenen Daten nutzen soll? Dies ermöglicht ihm meist eine automatische Auswertung seiner gemessenen Daten und er muss sich nicht groß darum kümmern, welche Daten er nutzen und woher er sie nehmen soll. Das ist im Prinzip richtig und wird in den meisten Fällen auch zielführend sein. Allerdings ist es bereits des Öfteren vorgekommen, dass

  • die integrierten Nuklidbibliotheken fehlerhafte Daten enthielten,
  • neue Messungen von Nukliddaten in korrigierten bzw. neuen (da bislang nicht vorhanden) Daten resultierten oder
  • bestehende Auswertungen überarbeitet wurden und diese zu korrigierten Werten führten.

Und die Verwendung von falschen Nukliddaten zieht in Kalibriermessungen falsche Kalibrierwerte nach sich, die – verwendet in den Auswertungen von Gamma-Messungen - zu fehlerhaften Ergebnissen führen (zusätzlich zu dem Beitrag, den fehlerhafte Nukliddaten bei der Auswertung der gemessenen charakteristischen Peaks erzeugen).

Sie sehen, es gibt gute Gründe sich die von Ihnen verwendeten Nukliddaten selbst gut anzusehen. Auf ein Update neuer Erkenntnisse durch beispielsweise die Hersteller von Gamma-Spektrometriesoftware sollten Sie sich nicht verlassen. Erfahrungen haben gezeigt, dass trotz mehrfacher Information von Herstellern zu fehlerhaften Werten, von diesen keine Korrekturen in den ausgelieferten Nukliddatenbanken vorgenommen wurden.

Hier empfiehlt sich der Daten der Nuklidbibliotheken mit Daten aus anderen unabhängigen (!) Quellen und bei Abweichungen dem Grund dafür zu ermitteln.

An dieser Stelle auch gleich ein …

Tipp aus der Praxis:
Alle Messungen und Auswertungen sollten zur Qualitätssicherung nachvollziehbar sein, d. h. nicht nur das gemessene Spektrum mit allen Messparametern, sondern alle Kalibrierspektren bzw. -dateien und auch die in der Auswertung der Messdaten verwendeten Daten müssen zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt wieder verfügbar sein.

Hier bietet sich eine Revisionsverfahren für die verschiedenen Kalibriermessungen und die Nuklidbibliotheken an. Bei jeder Änderung, sei es durch eine neue Messung oder die Korrektur einzelner Werte, sollten die ursprünglichen Dateien gesichert werden. Ihre Nachfolger werden mit einem erhöhten Revisionsindex in die zukünftigen Messungen und Auswertungen übernommen und dort auch dokumentiert.

Doch jetzt wieder zurück zum eigentlichen Thema, der Kalibration eines Gamma-Spektrometriemesssystems, und einigen allgemeingültigen Punkten für die Durchführung von Kalibrationen.

Jede Kalibration …

  • muss vollständig sein: der Energiebereich der Kalibration muss den gesamten Bereich abdecken, der von den (geplanten) Messungen erfasst werden soll. Er muss außerdem durch eine ausreichende Anzahl an Messpunkten (Stützstellen) abgedeckt werden, um hieraus durch Interpolation beliebige Kalibrationswerte mit ausreichender Genauigkeit bestimmen zu können.
Schematisches Beispiel für eine vollständige Kalibration im Energiebereich von 100 keV bis 2250 keV. Der Bereich wird durch eine ausreichende Anzahl an Stützstellen abgedeckt, die eine Interpolation ermöglicht (Anmerkung: Für die schematische Darstellung wurde eine einfache Exponentialfunktion gewählt. Reale Kalibrationsfunktionen sehen fast immer anders aus!).

Schematisches Beispiel für eine vollständige Kalibration im Energiebereich von 100 keV bis 2250 keV. Der Bereich wird durch eine ausreichende Anzahl an Stützstellen abgedeckt, die eine Interpolation ermöglicht (Anmerkung: Für die schematische Darstellung wurde eine einfache Exponentialfunktion gewählt. Reale Kalibrationsfunktionen sehen fast immer anders aus!).

  • muss eindeutig sein: die Stützstellen sollten aus nicht überlappenden Peaks gebildet werden, Totzeiten des Detektors über 1 % und „true coincidence summing“ müssen durch ausreichenden Abstand der Kalibrierprobe vom Detektor vermieden werden.
  • sollte die äußeren Umstände berücksichtigen: um spätere Umrechnungen der Kalibrierwerte zu vermeiden, sollten Kalibriermessungen in der gleichen Mess- und Probengeometrie wie in den späteren Messungen der Proben durchgeführt werden. Nach Möglichkeit sollte auch die Struktur der Proben berücksichtigt werden (Beispiel: ist geplant sandförmige Proben in einem Marinelli-Becher zu messen, dann könnte für die Kalibriermessungen ein identischer Marinelli-Becher mit homogener Sand- and Aktivitätsmischung gewählt werden).

Kalibrierstrahler

Für die Durchführung von Kalibriermessungen sind geeignete Kalibrierstrahler erforderlich. Diese sollten die oben genannten Anforderungen an Vollständigkeit, Eindeutigkeit und äußere Umstände erfüllen und über einen zugehörigen Kalibrationsschein verfügen. Über diesen wird eine Rückführung auf nationale Normale ermöglicht. Kalibrationsscheine enthalten alle für Messungen erforderlich Daten, wie Nuklide, Aktivitäten, Halbwertszeiten, Übergangswahrscheinlichkeiten, Referenzdatum etc. inklusive Angaben zu ihren jeweiligen Unsicherheiten. 

Nachfolgend sind einige typische Beispiele von Kalibrierstrahlern bzw. Kalibrierstrahler-Sets aufgeführt.

Punktstrahler

In der Praxis werden häufig punktförmige umschlossene Kalibrierstrahler genutzt. Diese haben die Vorteile, dass

  • Messungen mit einzelnen Strahlern durchgeführt werden können, d. h. es sind keine Überlagerung der charakteristischen Linien mit Linien anderer Nuklide zu berücksichtigen;
  • bei der Auswertung der Messergebnisse eine mögliche Selbstabschirmung, die bei Kalibrierstrahlern mit größerem Volumen auftritt, nicht berücksichtigt werden muss;
  • durch eine geeignete Auswahl an Nukliden nahezu jeder Energiebereich mit einer ausreichen Anzahl an Linien abgedeckt werden kann;
  • einzelne Kalibriernuklide jederzeit ersetzt werden können (z. B. aufgrund der Abnahme der Aktivität wegen einer kurzen Halbwertszeit), ohne das gesamte Set neu beschaffen zu müssen;
  • die Berechnung der verschiedenen Kalibrierfaktoren für punktförmige Kalibrierquellen meist einfacher ist.

Demgegenüber steht der Nachteil, dass für jedes Nuklid eine eigene Kalibriermessung durchzuführen ist, um identische Messbedingungen zu gewährleisten (z. B. gleicher Abstand und gleiche Position). Damit verbunden ist ein deutlich erhöhter zeitlicher Aufwand. Allerdings können durch angepasste Messzeiten die sich nach mehreren Wochen oder Monaten einstellenden Halbwertszeit bedingten Aktivitätsunterschiede der einzelnen Kalibrierstrahler in gewissen Grenzen berücksichtigt werden.

Foto des 241-Am-Punktstrahlers aus dem unten abgebildeten Set. Der Strahler (dunkler Punkt in der Mitte des roten Kreises) ist in eine rechteckige Plastikmatrix eingebettet.

Foto des 241Am-Punktstrahlers aus dem unten abgebildeten Set. Der Strahler (dunkler Punkt in der Mitte des roten Kreises) ist in eine rechteckige Plastikmatrix eingebettet.

Ein Beispiel für ein Set an Kalibriernukliden ist nachfolgend abgebildet. Es besteht aus den Nukliden 22Na, 54Mn, 57Co, 60Co, 88Y, 133Ba, 137Cs, 203Hg und 241Am. Der mit diesen Kalibrierstrahlern abgedeckte Energiebereich erstreckt sich von ca. 50 keV bis ca. 1850 keV.

Foto eines Sets mit punktförmigen, in rechteckige Plastikmatrizen eingebetteten, und von flachen, runden Kalibrierstrahlern.

Foto eines Sets mit punktförmigen, in rechteckige Plastikmatrizen eingebetteten, und von flachen, runden Kalibrierstrahlern.

Die Abnahme der Aktivitäten über einen Zeitraum von 20 Jahren ist nachfolgend dargestellt. Ausgangspunkt sind die Daten obigen Kalibriersets, dessen Nuklide zum Referenzdatum eine Aktivität von ca. 0,4 MBq hatten, mit Ausnahme von 203Hg (0,9 MBq). Deutlich zu erkennen ist, das 203Hg und 88Y bereits nach knapp einem Jahr für Kalibrierzwecke nicht mehr eingesetzt werden können.

Zeitlicher Verlauf der Aktivtäten des oben gezeigten Sets mit punktförmigen Kalibrierstrahlern (Beachte: Aktivtätsachse ist in logarithmischen Einheiten).

Zeitlicher Verlauf der Aktivtäten des oben gezeigten Sets mit punktförmigen Kalibrierstrahlern (Beachte: Aktivtätsachse ist in logarithmischen Einheiten).

152Eu-Kalibrierstrahler

152Eu wird meistens durch Neutronen-Aktivierung aus natürlichem Europium hergestellt, das zu 47,8 % aus 151Eu und zu 52,2 % aus 153Eu besteht. Deshalb enthält ein 152Eu-Kalibrierstrahler in der Regel immer auch 154Eu, dessen charakteristische Linien folglich ebenfalls im Kalibrierspektrum enthalten sind. Aufgrund der kürzeren Halbwertszeit von 154Eu (T1/2 = 8,593 a) gegenüber 152Eu (T1/2 = 13,516 a) nimmt ihr relativer Anteil aber mit der Zeit ab.

Kalibrierungen mit 152Eu decken in einer Messung den Energiebereich zwischen etwa 40 keV und 1500 keV mit vielen charakteristischen Linien gut ab, d. h. reduzieren sowohl den zeitlichen Aufwand der Messung als auch der Auswertung, da nicht Aktivitäten und Halbwertszeiten unterschiedlicher Nuklide zu berücksichtigen sind.

Grafik mit den Übergangswahrscheinlichkeiten der charakteristischen Linien von 152-Eu im Energiebereich von 39,5 keV bis 1528,1 keV (insgesamt 51 Linien). Beachte, dass für eine bessere Anschaulichkeit die Übergangswahrscheinlichkeiten logarithmisch dargestellt sind.

Grafik mit den Übergangswahrscheinlichkeiten der charakteristischen Linien von 152Eu im Energiebereich von 39,5 keV bis 1528,1 keV (insgesamt 51 Linien). Beachte, dass für eine bessere Anschaulichkeit die Übergangswahrscheinlichkeiten logarithmisch dargestellt sind.

Ein Beispiel für einen 152/154Eu-Kalibrierstrahler ist nachfolgend abgebildet. Aktiviertes Europium wurde in einen Zylinder aus VA-Stahl eingebracht.

Links: Foto eines umschlossenen Kalibrierstrahlers mit 152/154Eu im unteren Bereich des VAehälters. Rechts Röntgen-Radiographie des Kalibrierstrahlers.

Links: Foto eines umschlossenen Kalibrierstrahlers mit 152/154Eu im unteren Bereich des VAehälters. Rechts Röntgen-Radiographie des Kalibrierstrahlers.

Mischnuklid-Kalibrierstrahler

Oftmals werden auch kommerziell erhältliche Mischnuklid-Standards verwendet. Diese werden als zertifizierte Lösungen angeboten und enthalten eine Reihe verschiedener Nuklide, die einen weiten Energiebereich abdecken können.

Ausschnitt aus einem Kalibrierschein eines Mischnuklid-Standards mit der Übersicht der enthaltenen radioaktiven Nuklide, ihren Halbwertszeiten, ihren stärksten charakteristischen Linien und deren Übergangswahrscheinlichkeiten (Branching ratio) sowie ihren Aktivitäten (zu einem gegebenen Referenzdatum).

Ausschnitt aus einem Kalibrierschein eines Mischnuklid-Standards mit der Übersicht der enthaltenen radioaktiven Nuklide, ihren Halbwertszeiten, ihren stärksten charakteristischen Linien und deren Übergangswahrscheinlichkeiten (Branching ratio) sowie ihren Aktivitäten (zu einem gegebenen Referenzdatum).

Foto einer QCY-Kalibrierlösung in einer PE-Flasche.

Foto einer QCY-Kalibrierlösung in einer PE-Flasche.

Diese Lösungen können entweder direkt zu Kalibriermessungen oder zur Herstellung abgeleiteter Standards in speziellen Geometrien genutzt werden.

Diese Nuklidmischungen haben aber den Nachteil, dass aufgrund der unterschiedlichen Halbwertszeiten der einzelnen Nuklide sich seine Zusammensetzung mit der Zeit ändert. So ist nach ca. 1,5 Jahren 203Hg aufgrund seiner relativ kurzen Halbwertszeit von nur ca. 46 Tagen in den gemessenen Kalibrationsspektren nicht mehr oder nur mit sehr großen Unsicherheiten auswertbar. Nach einigen Jahren sind meistens nur mehr die charakteristischen Linien von 60Co, 137Cs und 241Am auswertbar und der Mischnuklid-Standard muss ersetzt werden.

Ein Vorteil dieser Lösungen ist, dass mit ihnen nahezu jede geometrische Form und Struktur hergestellt werden kann (wie der oben erwähnte mit Sand gefüllte Marinelli-Becher oder die nachfolgend beschriebene Volumen-Quelle).

Volumen-Quelle

Manche Institutionen haben die Möglichkeit Kalibrierstrahler in unterschiedlichen Geometrien selbst herzustellen oder durch kommerzielle Hersteller machen zu lassen. Wie eine derartige Volumen-Quelle hergestellt werden kann (die erforderlichen Umgangsgenehmigungen vorausgesetzt) ist nachfolgend beispielhaft für eine mit Sand gefüllte Volumen-Quelle beschrieben. Diese wird unter anderem bei der Kalibration von segmentierten Gamma-Scannern eingesetzt.

“Rezept” zur Herstellung einer Sand-Volumen-Quelle

Ziel: Herstellung einer homogenen Volumenquelle mit den Nukliden 152Eu, 154Eu und 241Am in einer Sand-Matrix.

Behälter: Aluminiumzylinder mit 0,2 cm Wanddicke, 34,5 cm Innenhöhe und 30,2 cm Innendurchmesser

Ausgangsaktivitäten in Form von Stammlösungen:

  • Europium (Volumen V = 1 ml)

A(152Eu) = 2,70 MBq

A(154Eu) = 0,34 MBq

  • Americium (Volumen V = 1 ml):

A(241Am) = 0,19 MBq

Herstellung des „aktiven Sandes“:
In ein Polyvial werden nacheinander gefüllt:

  • 14 Spatel getrockneter Sand,
  • 100 µl 152Eu/154Eu-Stammlösung,
  • 14 Spatel getrockneter Sand.

Das Polyvial wird 4 Tage im Trockenschrank bei 90°C getrocknet und anschließend in einer Schüttelmaschine ca. 10 Tage zur Homogenisierung durchmischt.

Herstellung der Quelle:
In den Aluminiumbehälter werden jeweils nacheinander eingefüllt:

  • 5 cm getrockneter Sand (Angabe bezieht sich auf die Höhe der Schicht im Aluminiumbehälter)
  • 7 Spatel “aktiver Sand”

Dieser Vorgang wird drei Mal wiederholt und anschließend mit einer 5 cm hohen Schicht getrockneten Sand aufgefüllt. Die Gesamthöhe der Sandschicht beträgt anschließend ca. 25 cm.

Im nächsten Schritt wird in mehreren Schritten gereinigte 241Am-Lösung (insgesamt 260 ml) auf den Sand gegeben.
Der Inhalt des so präparierten Aluminiumzylinders wird im Trockenschrank bei 90°C getrocknet. Nach Verschließen des Zylinders erfolgt über mehrere Tage mit einer Schüttelmaschine die Homogenisierung des Inhalts.

Damit ergaben sich für die Volumenquelle folgende Aktivitäten:

  • A(152Eu) = 2,504 MBq
  • A(154Eu) = 0,303 MBq
  • A(241Am) = 49,6 MBq

Die Homogenität wird anschließend durch Messung der Ortsverteilungen mit einem segmentierten Gamma-Scanner im Multirotationsmodus verifiziert.

Foto der Sand-Volumen-Quelle.

Foto der Sand-Volumen-Quelle.

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Anmerkung:
241Am wurde mit einer deutlich höheren Aktivität als 152/154Eu eingebracht, da seine meistens genutzte charakteristische Linie mit 59 keV eine sehr geringe Energie hat und deshalb in der Sandmatrix stark geschwächt wird.

Ortsverteilungen für 241-Am gemessen mit einem segmentierten Gamma-Scanner im Multirotationsmodus.

Ortsverteilungen für 241Am gemessen mit einem segmentierten Gamma-Scanner im Multirotationsmodus.

Eine derartige großvolumige Kalibrierquelle eignet sich sehr gut für die Kalibrierung von segmentierten Gamma-Scanner-Systemen und kann für verschiedene homogene Matrixzusammensetzungen in nahezu beliebigen Geometrien erstellt werden. Das oben aufgeführte "Rezept" zur Herstellung der Kalibrierquelle mit einer Sandmatrix lässt sich einfach entsprechend anpassen. Wird beispielsweise eine Matrix mit geringerer Dichte benötigt, können hierfür geschichtete Luftpolsterfolien anstelle von Sand verwendet werden. Die erforderlichen Aktivitäten können statistisch verteilt mit Injektionsnadeln in Luftpolster eingebracht werden.

Die gewählten Kalibriernuklide 241Am und 152/154Eu ermöglichen eine langfristige Nutzung, wie das Diagramm zeigt.

Der zeitliche Verlauf der Aktivitäten der Volumenquelle zeigt ihre langfristige Nutzbarkeit.

Der zeitliche Verlauf der Aktivitäten der Volumenquelle zeigt ihre langfristige Nutzbarkeit.

Bezugsquellen

Die nachfolgende Liste erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch gibt sie eine Empfehlung ab.